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Nutzfahrzeuge: Noch Chancen für Spezialbanken?

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Neue Zahlen vom Verband der Automobilindustrie (VDA) belegen: Der Markt für Lkw, Busse und Transporter trotzt der Krise. Fehlende Umsätze in Westeuropa kompensieren deutsche Hersteller in anderen Regionen. Ihr Angebot an Nutzfahrzeugen ist vielfältig und innovativ. Doch profitieren auch die Spezialfinanzierer davon?

Das Angebot: mehr Modelle, weniger Verbrauch

Noch nie gab es auf der IAA Nutzfahrzeuge in Berlin so viele neue Modelle zu sehen wie Ende September. Es scheint, als sei der Transport der Zukunft durch Vielfalt bestimmt. Lang-Lkw transportieren vielleicht schon bald Waren ökonomisch durch ganz Europa, während vollelektrische Lieferfahrzeuge bis 3,5 Tonnen den Stadtverkehr erobern. Etwas eint all diese Fahrzeuge: Sie sind wesentlich effizienter und umweltverträglicher als ihre Vorgänger. Erste Speditionen gestalten bereits ihre gesamte Logistikkette CO2-freundlich oder sogar CO2-neutral. Kein Problem, denn alle Hersteller setzen – auch bei schweren Lkw – auf die Euro-VI-Norm. Doch nicht nur beim Verbrauch, sondern auch bei Sicherheit und Fahrerkomfort schreitet die Entwicklung rasant voran. Auch der Absatz?

Der Markt: Stabil, aber nicht euphorisch

Große Umsatzsprünge sind derzeit nicht möglich, doch zeigen sich Nutzfahrzeuge vergleichsweise krisenresistent. Ein Beispiel dafür ist der stabile Weltmarkt für Lkw über sechs Tonnen. Der VDA rechnet hier 2012 in Westeuropa mit einem Rückgang der Neuzulassungen um vier Prozent auf rund 250.000 Fahrzeuge. Das Minus werde aber durch die USA und Russland ausgeglichen. Deutsche Hersteller halten 30 Prozent des nordamerikanischen Marktes, der 2012 um bis zu 20 Prozent auf 350.000 Fahrzeuge anwachsen wird. Der russische Markt ist mit über 160.000 Nutzfahrzeugen doppelt so groß wie der deutsche. Er legt 2012 voraussichtlich um ein Viertel zu.

„Es ergibt sich insgesamt ein gemischtes Bild“, sagt VDA-Präsident Matthias Wissmann, „aber es ist kein Vergleich zu der schwierigen Situation von vor vier Jahren.“ Doch wie positionieren sich in diesem Umfeld die Spezialbanken?

Kredit & Leasing: Chancen gut genutzt?

Franz Reiner, Vorstandsvorsitzender bei Deutschlands größtem Nutzfahrzeugfinanzierer Mercedes-Benz Bank, ist zufrieden: „Wir haben im ersten Halbjahr Marktanteile gewonnen.“ Die Bank finanziert oder verleast mittlerweile jeden zweiten neuen LKW oder Transporter von Daimler. Bis Mitte 2012 konnte sie den Vertragsbestand gegenüber dem Vorjahreszeitraum um neun Prozent auf 6,35 Milliarden Euro steigern. Das Neugeschäft lag bei über 1,3 Millionen Euro. Den Erfolg führt das Unternehmen unter anderem auf sein flexibles Angebot zurück, etwa auf Saisonraten. So zahlen beispielsweise Bauunternehmer in den schwachen Wintermonaten weniger für ihre Fahrzeuge als im umsatzstarken Sommer.

Während die Mercedes-Benz Bank ihren Vorsprung ausbauen konnte, sieht Puls Marktforschung bei deutschen Spezialbanken generell noch Potenzial. Das Nürnberger Unternehmen hat ermittelt, dass jeder fünfte schwere Lkw nicht durch Captives oder Non-Captives finanziert wird. 2010 war es nur jeder zehnte. Konrad Wessner von Puls sprach jüngst gegenüber der Automobilwoche von einer „alarmierenden Tendenz“. Was die Kunden bräuchten, sei vor allem „eine schnelle und unbürokratische Bonitätsprüfung“.

IT-Systeme: Risiken begrenzen, international expandieren

Allerdings birgt der Markt für Nutzfahrzeuge aufgrund der hohen Kreditvolumina und Insolvenzzahl mehr Risiken als das Pkw-Segment. Deswegen müssen Bonitätsrisiken durch IT-Systeme wie die afb Credit Management Solution möglichst lückenlos ermittelt werden. Diese Lösungen tauschen für ihre automatischen Analysen Daten mit Drittlösungen aus, unter anderem mit Wirtschaftsauskunfteien.

Software, die über Kredit und Leasing entscheidet und das Geschäft danach abwickelt, wird zunehmend auch international eingesetzt. Sie hilft dabei, Verluste in Heimatmärkten an neuen Standorten schnell auszugleichen. So lässt sich die afb Credit Management Solution als internationale Lösung innerhalb weniger Monate für einen neuen Markt anpassen – inklusive der lokalen Geschäftsprozesse und Produkte, der jeweiligen Gesetzgebung, Sprache und Währung.

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