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Konsumkredite - Märkte von heute, Märkte von morgen

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Die Deutschen werden sich in den nächsten zwölf Monaten laut Bankenfachverband krisenbedingt weniger Konsumgüter anschaffen. Die gute Nachricht: Für diese Anschaffungen wollen sie mehr Kredite aufnehmen. Der deutsche Handel sei, sagt Verbandsgeschäftsführer Peter Wacket, „jetzt auf Finanzierungsangebote angewiesen, um weiter Waren verkaufen zu können“. Kreditbanken könnten die Konjunktur am Laufen halten.

„Allerdings reagieren Kunden in unsicheren Zeiten besonders sensibel“, glaubt afb-Vorstand Jan Ph. Wieners: „Wer hier nicht schnell Geschäftsprozesse und Produkte über entsprechende IT den jeweiligen Bedürfnissen anpassen kann, verliert Kundenvertrauen.“

So werden in Kürze Gebrauchtwagen mehr gefragt sein als Neufahrzeuge. Möbel und Küchen sind ebenfalls rückläufig, werden aber häufiger finanziert als früher. Und die Kreditnehmer werden jünger, was Banken künftig bei der (technologiegestützten) Kundenansprache ebenfalls berücksichtigen müssen.

Europa schwach, Schwellenländer boomen

Insgesamt läuft das deutsche Geschäft im europäischen Vergleich noch gut. Der Markt für Konsumentenkredite in Europa war 2011 das zweite Jahr in Folge rückläufig. Nur in sieben Ländern der EU konnte er zulegen, darunter auch Deutschland mit einem Plus von 0,7 Prozent. Weltweit zeigt sich dagegen ein dynamisches Bild: Der Markt stieg bis Ende 2011 um 4,5 Prozent auf 5.600 Milliarden Euro. Dies verdankt er insbesondere den Schwellenländern, denn auch jenseits der Grenzen Europas wachsen die Industrieländer nur mehr langsam oder sind sogar rückläufig. Noch 2008 hielten die fünf größten Einzelmärkte 76 Prozent des weltweiten Kreditbestands, 2011 kamen sie dagegen nach Angaben der CreditPlus Bank nur mehr auf 60 Prozent. Die Dynamik der Emerging Markets scheint dagegen ungebrochen.

Besonders Südamerika konnte 2011 mit 21 Prozent stark zulegen und hier vorrangig Argentinien (+ 49 Prozent), Brasilien (+ 20 Prozent) sowie Chile (+ 18 Prozent). In Asien boomen derzeit China (+ 28 Prozent) und Indonesien (+ 25 Prozent). Selbst Afrika wuchs mit 13 Prozent solide. Das Pro-Kopf-Volumen einzelner Kredite ist jedoch wesentlich geringer als in gesättigten Märkten. Es beträgt in Nordamerika beispielsweise 4.800 Euro, in den 27 EU-Mitgliedsstaaten 2.100 Euro und in Afrika 90 Euro. Doch das Potenzial der Schwellenländer wird wachsen und es liegt nahe, dass Kreditbanken sich deshalb immer stärker global ausrichten. So wird China derzeit für die Autobauer im Premium-Segment zur Goldgrube – und damit auch für ihre Herstellerbanken. Finanzierungen liegen dort noch im einstelligen Bereich, weltweit wird dagegen bereits jedes zweite Fahrzeug finanziert.

Banken blicken über Europa hinaus

Viele Auto- und Kreditbanken internationalisieren nicht zuletzt wegen des enormen Potenzials der Schwellenländer ihre Geschäftsprozesse samt unterstützender IT, nachdem sie ihre Aktivitäten während der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise zurückgefahren hatten. Internationale Softwarelösungen wie die afb Credit Management Solution (afb CMS) bilden die konzernweite Klammer und sie bilden gleichzeitig nationale Besonderheiten ab. Beispielsweise dürfen große Herstellerbanken zwar in China tätig werden, dort aber nur Ratenkäufe und/oder Darlehensfinanzierung anbieten und dies auch nur, wenn der Kunde einen relativ hohen Prozentsatz des Fahrzeugwerts anzahlen kann. Der Balance-Akt ist bei stark reglementierten bzw. noch stark im Wandel begriffenen Ländern wie China sicherlich schwieriger als in den alten Märkten: Einerseits erfordern sie viele regionale Anpassungen von Prozessen und IT, andererseits eine stärkere zentrale Steuerung, da auch das Geschäftsrisiko vergleichsweise groß ist.

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