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„Sinkende IT-Budgets gefährden die Wettbewerbsfähigkeit!“
Im Gespräch mit Juan Roderigo, Capgemini
Wie begegnen Banken schnelleren, heftigeren Ausschlägen auf den Finanzmärkten? Was fördert die Agilität der IT? Darüber sprachen wir mit Juan Roderigo, der bei Capgemini als Vice President Vertrieb und Strategie für den Bankenmarkt verantwortet.
Finanzkrisen folgen heute schneller aufeinander. Wie reagieren die IT-Verantwortlichen in den Banken darauf, Herr Roderigo?
Zum einen gewinnt das Thema Risikomanagement immer mehr an Bedeutung. Hier sind natürlich die operativen Systeme gefordert, die höhere Datenqualität und Substanz liefern müssen. Insbesondere Autobanken wollen ihre Risiken künftig besser managen, beispielsweise durch genauere, aktuellere Restwertermittlung. Zum anderen steigt natürlich in der Krise der Kostendruck. Viele Banken begegnen diesem Druck durch die Einführung von Standardsoftware. Damit verringern sie die Komplexität der IT und ermöglichen gleichzeitig effizientere Geschäftsprozesse. Wo vieles automatisch ineinander greift, sinken naturgemäß die Kosten. Wer etwa die afb Credit Management Solution einsetzt, kann beispielsweise das Antrags- und Vertragsmanagement zusammenführen.
Um an diesen Punkt zu kommen, müssten Banken aber erst einmal wieder in IT investieren. Viele senken jedoch in schwierigen Zeiten lieber die IT-Budgets.
Was das bedeutet, haben uns IT-Verantwortliche im Rahmen unserer Studie „IT-Trends 2011“ deutlich gemacht. 55 Prozent von ihnen glauben nämlich, dass durch verknappte Budgets das Tagesgeschäft nicht mehr rund läuft und 75 Prozent sehen sogar die Wettbewerbsfähigkeit gefährdet. Über alle Branchen hinweg teilten diese Ansicht nur 44 beziehungsweise 59 Prozent.
Warum müssen Banken anscheinend durch knappere Budgets mehr Nachteile in Kauf nehmen als andere Branchen?
Weil bei ihnen das Verhältnis von Budgets für IT-Innovation und für laufenden Betrieb besonders ungünstig ist. Es werden vergleichsweise viele Eigenleistungen erbracht. So entwickeln und managen viele Banken den Großteil ihrer Anwendungen noch selbst. Wenn sie bei dieser hohen Fertigungstiefe den Geldtopf verkleinern, bleibt für Innovationen kaum mehr etwas übrig. Und es bleibt damit natürlich auch die Wettbewerbsfähigkeit auf der Strecke.
Wie hilft die IT schneller und verlustfreier aus der Krise?
Durch eine bessere Abstimmung zwischen Geschäfts- und IT-Seite, das sogenannte Business-IT-Alignment. Wenn man IT nicht nur als Kostenstelle begreift, sondern als Partner des Business, wird sie agiler. Sie kann die Anforderungen der Geschäftsbereiche besser erfüllen und damit stärker zur Wertschöpfung beitragen. Das geht aber nur mit geringerer Eigenfertigungstiefe.
Wie industrialisieren sich Banken kurz- bis mittelfristig stärker?
Indem sie erst einmal intern die Voraussetzungen für die spätere Nutzung von externem Know-how schaffen. Standards wie etwa ITIL helfen dabei, den IT-Betrieb am wirtschaftlichen Mehrwert auszurichten, IT-Service-Kataloge schaffen Transparenz. Ist diese Vorarbeit geleistet, können Finanzdienstleister im nächsten Schritt die Bereiche identifizieren, in denen sich externe Partner gut einbinden lassen. Das geht übrigens auch bei Legacy-Systemen. Um das Ganze reifer zu machen, gibt es erprobte Konzepte wie Application Lifecycle Services, die auch in der Bankenbranche zunehmend Akzeptanz finden. Unsere aktuelle Studie zum Einsatz dieses Konzeptes in deutschen Banken und Versicherungen zeigt dies.
Worin besteht der konkrete Nutzen von Application Lifecycle Services?
Zuerst einmal darin, dass Sie ihre wichtigen IT-Mitarbeiter an strategische und innovative Themen setzen können, da diese durch das Engagement des Partners entlastet werden. Gleichzeitig werden Sie aber auch unabhängiger von internen Ressourcen. Steigen beispielsweise die geschäftlichen Anforderungen plötzlich, können externe Dienstleister schneller technische und menschliche Zusatzkapazitäten zur Verfügung stellen. Banken verbessern damit ihre Time-to-Market, denn sie können schneller auf neue Anforderungen reagieren – sei es in der Krise oder in kräftigen Aufschwungphasen, die wir ja auch erleben dürfen.
Herr Roderigo, danke für das Gespräch!
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