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Indien


kaum Krise, viel Konsum

Die Hälfte der Inder lebt von der Landwirtschaft, nur ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) stammt dagegen vom Export. Indiens Wohlstand hängt also mehr vom Monsun ab als vom Ausland. Beide war in den letzten Monaten rückläufig: wenig Regen, wenig Aufträge. Dennoch überstand das Land die Weltwirtschaftskrise dank wirksamer Regierungsmaßnahmen ohne größere Blessuren. Die Konsumlust seiner Bürger ist ungebrochen und das BIP soll im Jahr 2010 laut DekaBank sogar um 8,7 Prozent wachsen.

Doch auch 2009 verlief für die Inder zufriedenstellend. Beispielsweise wurden mehr als 1,8 Millionen Pkw verkauft, was einem Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das Jahr 2010 startete mit einem Absatzsprung. Indiens führender Autohersteller Maruti Suzuki erzielte im Februar 22 Prozent mehr Verkäufe als im Vergleichszeitraum 2008 - und damit so viele wie noch nie. Sein stärkster Rivale Hyundai Motor India verzeichnete einen Zuwachs von 43 Prozent und General Motors India sogar von 126 Prozent. Diese Entwicklung ist allerdings zu einem nicht geringen Teil auf zeitlich begrenzte Steuervergünstigungen zurückzuführen.

Obwohl Steuern und Spritkosten künftig steigen werden, sind die Autobauer dennoch zuversichtlich. Insbesondere ab 2011 rechnen sie mit einem soliden Wachstum. Allerdings ist die Kaufkraft noch etwas geringer als in gesättigten Märkten, so dass die Inder meist die günstigeren Kompaktwägen bevorzugen. Besonders beliebt ist der Tata Nano für 1.500 Euro. Weil der Hersteller derzeit zu geringe Stückzahlen vom Fließband bekommt, entscheidet er per Lotterie, mit wem er einen Kaufvertrag abschließt.

Ausländische Banken investieren
Nicht nur Mobilität wird in Indien zunehmend nachgefragt. Vielerorts sprießen Shopping-Malls wie Pilze aus dem Boden. Gute Zeiten also für Konsumkredite und auch gute Zeiten für ausländische Banken, denen es gelingt, sich in diesem Markt zu positionieren. So berichtete etwa die Mint, eine Tageszeitung in Neu-Delhi, Mitte Februar über ein verstärktes Engagement der Deutschen Bank. Während sich die Mitbewerber vom unsicheren Geschäft mit Konsumkrediten zurückzögen, würden die Deutschen frisches Geld investieren. Auch das Filialnetz der Bank soll laut Mint in den nächsten Jahren stetig wachsen. Dagegen steht jedoch die restriktive Vergabepolitik der Reserve Bank of India (RBI). Sie schützt inländische Anbieter, indem sie pro Jahr nur ungefähr 12 neue Niederlassungen ausländischer Banken genehmigt.

Bereits 2004 hatte die RBI eine größere Öffnung des indischen Bankenmarktes angekündigt, geschehen ist seitdem kaum etwas. Dennoch konnte die Deutsche Bank bis dato annähernd eine halbe Million Privatkunden gewinnen. Das führende Auslandsinstitut ist derzeit aber noch die Citibank India, die ihren Marktanteil durch Kooperationen vergrößern will. Dazu zählt ein Joint Venture mit dem führenden privaten Mischkonzern Reliance, der aktuell stark im Handelssegment expandiert. Zudem investiert Citi nicht unerheblich in SKS Microfinance, den größten indischen Mikrokreditgeber. Ein Darlehen erhalten von ihm vorwiegend Frauen in ländlichen Regionen, die sozial in die Pflicht genommen werden: Zahlt eine Frau ihren Kredit nicht zurück, haftet die Gruppe, der sie bei Vertragsabschluss zugeordnet wurde. Mit einer Rückzahlungsrate von 99 Prozent ist das Geschäft mit Kleinstkrediten nicht nur entwicklungspolitisch sinnvoll, sondern auch äußerst profitabel.

Kaufkräftige Mittelschicht
64 Prozent des indischen BIP stammen aus dem privaten Konsum. Indien hat die jüngste Bevölkerung der Welt, sie vermehrt sich rasant und verdient dabei immer besser. So brachte das hohe Wachstum der letzten Jahre eine konsumfreudige Mittelschicht von 300 Millionen Einwohnern hervor, die sich wesentlich mehr leisten kann als die ländliche Bevölkerung. Das Verhältnis von Krediten zum BIP beträgt derzeit erst 6 Prozent, entsprechend groß ist der Nachholbedarf. Allerdings fehlen Kontrollinstanzen wie die Schufa in Deutschland, wodurch Banken beim Risikomanagement auf sich gestellt sind. Auch müssen die Geschäfte möglichst automatisiert abgewickelt werden, denn die Volumina sind im Schnitt geringer, die Stückzahlen dagegen größer - und sie werden künftig anders als in der alten Welt exponentiell wachsen. 4,4 Millionen weit verstreute Kundinnen muss alleine die SKS Microfinance heute bereits verwalten, was ohne entsprechende IT- und Mobiltechnologien undenkbar wäre.

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