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Deutschland 2010
Finanzen, Fußball & Fortune
"Was uns wirklich wichtig ist" - das wollte TNS Infratest jüngst von den Deutschen wissen. Die Antworten überraschen kaum: Für 2010 wünschen sich mit 97 Prozent die meisten der Befragten, dass Deutschland die Wirtschaftskrise überwindet. Und immerhin 63 Prozent träumen - wen wundert"s - vom WM-Titel. Wenig vorhersehbar ist dagegen, was die nahe Zukunft wirklich bringen wird. Im Fußball wie in der Finanzwelt bestimmen Handeln und Glück gleichermaßen das Schicksal.
Hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung blicken die Forscher tendenziell positiv ins neue Jahr. Das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet mit einem Wachstum von zwei Prozent, andere Experten gehen von 1,2 bis 1,9 Prozent aus. Ungetrübt sind die Aussichten bei weitem nicht. "An den Folgen der Krise werden wir noch lange zu tragen haben", sagt etwa DIW-Präsident Klaus Zimmermann. Erst gegen Ende 2011 werde Deutschland wieder die Wirtschaftskraft von Mitte 2008 unmittelbar vor den dramatischen Produktionseinbrüchen erreicht haben. Das entspricht rein rechnerisch mehr als drei Jahren mit Nullwachstum.
Die fünf Wirtschaftsweisen warnen, obwohl sie für 2010 leicht positive Signale sehen, die Zukunft aufs Spiel zu setzen. Für zusätzliche Ausgaben oder Steuersenkungen gäbe es keine Spielräume: "Dazu ist die Aufwärtsentwicklung insgesamt zu schwach und fragil." Auch die Deutsche Bundesbank sieht in diesem Jahr einige dunkle Wolken heranziehen: Unternehmensinsolvenzen könnten zu Kreditausfällen von 50 bis 75 Milliarden Euro führen und damit zu erheblichen Wertberichtigungen.
Das zweite Topthema der Banken im Jahr 2010 heißt "Regulierung". Die FAZ berichtete, dass derzeit hunderte Institute weltweit Modelle implementieren würden, um die Vorschläge der Aufsichtsbehörden zu testen. Konkrete Regelungen sollen sich Ende des Jahres herauskristallisieren. Vorwiegend wird es um schärfere Kapitalanforderungen und strengere Kontrollen gehen. Dies lässt die Bankenwelt nicht unbeeindruckt. So befürchtet der Internationale Bankenverband IIF, dass Reformen einem Wachstum entgegenstehen könnten. Und Andreas Schmitz, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, mahnte jüngst zur Differenzierung: "Gewiss brauchen Banken mehr Eigenkapital - aber eben nicht pauschal, sondern genau dort, wo es sich in der Krise unter Risikoaspekten als nötig erwiesen hat." Differenziertes Entscheiden und Handeln wird dieses Jahr wohl auf allen Ebenen nötig sein, um die Kehrtwende sicher einzuleiten.
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