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Chinas Weg zum Wohlstand


Viele Reformen hat Chinas Wirtschaft in den letzten Jahren erfahren, jetzt stürzte die Volksrepublik sogar Japan als größte Wirtschaftsmacht vom Thron. Zuvor hatten die Chinesen Deutschland als Exportweltmeister abgelöst - und die Amerikaner als führende Autokäufernation. Doch der Privatkonsum insgesamt lässt bisher zu wünschen übrig, die Nachfrage nach Konsumkrediten ebenso.

Chinesische Haushalte finanzieren ihren Konsum kaum fremd, wie eine aktuelle Befragung ergab. Nur 11 Prozent haben einen Kredit aufgenommen, in den USA sind es dagegen fast 80 Prozent. Anders als beispielsweise in Japan sind die Einkommen der Chinesen in den letzten Jahren nur unmerklich gestiegen. Die Wirtschaftsleistung pro Kopf beträgt gerade einmal ein Zehntel der USA oder Japans und damit ungefähr so viel wie Algerien oder El Salvador. Wirtschaftsexperten glauben, dass noch einige Jahrzehnte vergehen werden, bis China diesbezüglich mit den Industrieländern gleichziehen kann.

Den Arbeitern dauert dies zu lange. In vielen Orten werden Streiks gegen Unterbezahlung und schlechte Unterkünfte ausgerufen - ein durchaus bemerkenswerter Vorgang in einem kommunistischen Land. Hier zeigt sich der chinesische Zwiespalt auf dem Weg zur modernen Wirtschaftsmacht: Streiks werden zwar toleriert, gesetzlich erlaubt sind sie aber nicht. Verboten sind beispielsweise streikbedingte Produktionsunterbrechungen, ebenso Arbeitervertretungen jenseits der staatlich gelenkten Gewerkschaften. Die wiederum finden in der Bevölkerung naturgemäß keine Akzeptanz.

Dass sich das Land durch seine geringe Konsumkraft stark von Exporten abhängig gemacht hat, ist den Machthabern in Peking durchaus bewusst. Sie mahnen größere Investitionen in Forschung und Entwicklung an, außerdem mehr industrielle Wertschöpfung statt der bisherigen Billigproduktion. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg.

Weniger Kleinwagen verkauft
Derzeit ist es die schiere Masse von 1,3 Milliarden Menschen, die China für ausländische Banken und Unternehmen besonders interessant macht. So kaufen Chinesen - trotz der geringen Einkommen - bereits die meisten Autos weltweit. Mitte Juli meldete die Financial Times Deutschland allerdings: "Der Wachstumsmotor stottert." 2010 könnte der Zuwachs an Neuwägen nur mehr 15 Prozent betragen (Januar: 73 Prozent), 2011 sei sogar ein Rückgang um drei Prozent nicht auszuschließen. Von diesem Trend unberührt zeigten sich derzeit die Premiumhersteller. Anders als in Europa gelten Luxuswägen in China nämlich als unbestrittene und unverzichtbare Statussymbole.

Dass sich Mittelklasse- und Kleinwägen derzeit weniger gut verkaufen, könnte auch an den verschlechterten Finanzierungsbedingungen liegen. Einen akzeptablen Zinssatz für ihren Autokredit erhalten derzeit meist nur Kunden, die sich größere Fahrzeuge leisten möchten. Für Kleinwägen beträgt der Zinssatz je nach Bonität 10 bis 30 Prozent. Verwerfungen wie diese werden aber eher vorübergehend sein. Chinas Konsum wird wachsen, ebenso wie die Wirtschaft des Landes. Chinesische Wirtschaftsexperten prognostizieren etwa für dieses Jahr ein Plus von zehn Prozent, ausländische gehen sogar von zwölf Prozent aus.

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