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Automarkt 2010
Federn lassen
Neuwägen werden es nach dem Ende der Abwrackprämie schwer haben. Nach einer Leserumfrage des AutoScout24-Magazins im Januar will sich jeder Dritte dieses Jahr einen Gebrauchtwagen kaufen und nur jeder Fünfte ein Neufahrzeug. 25 % planen keinerlei Investitionen, beim Rest stehen Inspektionen, Reparaturen, neue Reifen oder Tuning-Maßnahmen an.
Im Gegensatz zur Klein- und Mittelklasse musste das Luxussegment bereits 2009 Einbußen hinnehmen. Die Roland Berger Strategy Consultants sieht Deutschland zwar nicht zuletzt aufgrund des Automobilgeschäfts unter den Top 3 der globalen Luxusmärkte, doch hätten die Marktführer der Nobelkarossen kräftig Federn lassen müssen. Lediglich die Kleinstmanufakturen hätten ihren Absatz stabil halten können. Auch sei die gehobene Klientel mittlerweile preisbewusster.
"Otto Normalverbraucher" möchte ebenfalls sparen - und dies nicht zu knapp. Die Abwrackprämie habe die Käufer an niedrige Preise gewöhnt, glaubt etwa Thomas Reisener von der Rheinischen Post. Die aktuell historisch hohen Autorabatte legten die Vermutung nahe, dass Handel und Hersteller die Abwrackprämie künftig selbst bezahlen müssten. Vermutlich sogar auf Dauer, meint Reisener.
Walt Madeira von CSM Worldwide betont dagegen den Nutzen der staatlichen Förderung für das zurückliegende Geschäft. In Ländern, die keinerlei staatliche Hilfe angeboten hätten, habe die Nachfrage nach Neuwagen "mit einem Rückgang der Verkäufe um 20 bis 70 Prozent sehr viel heftiger abgenommen".
CSM bietet weltweit Prognosen für die Automobilbranche an und hat jetzt für Europa im laufenden Jahr ein Minus von 7,9 % vorhergesagt, in Westeuropa aufgrund der vorgezogenen subventionierten Käufe sogar von 10,6 %. Ostmärkte wie Russland oder die Ukraine könnten die Flaute nicht kompensieren, da sie von der Wirtschaftskrise überproportional betroffen seien. "2010 werden sich die Automobilhersteller ganz auf die Verteidigung ihres Anteils an den jeweils landeseigenen und herkömmlichen Volumenmärkten konzentrieren", glaubt Madeira. Damit fehlten ihnen Ressourcen für die Eroberung von Marktanteilen in Osteuropa.
Dennoch gehört dem russischen Markt, der im letzten Jahr um fast die Hälfte eingebrochen ist, neben Brasilien Indien und China die Zukunft. In diesen BRIC-Staaten wird laut Boston Consulting Group bis 2014 ein Drittel des weltweiten Wachstums der Autobauer stattfinden. Ihr Anteil am Gesamtmarkt soll bis dahin von 21 % (2007) auf 30 % steigen, wobei China die Führungsrolle behält. Dort erwarten die befragten Automobilhersteller und Zulieferer ein jährliches Wachstum von 5 %. Boston Consulting rät, sich auf die BRIC-Märkte zu konzentrieren. "Auch Autofinanzierer haben diesen Trend erkannt und versuchen derzeit, dort möglichst gut Fuß zu fassen", berichtet afb-Vorstand Jan Ph. Wieners.
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